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Feuerwehrverband: Gaffer, Ehrennadeln und Ausbildung

Delegierte und Gäste im Regionshaus in Hannover

Region.

„Feuerwehr – Tradition und Gegenwart“. So lautet das Jahresmotto des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen für 2018. Der Verbandsvorsitzende Karl-Heinz Mensing richtete den Blick in seinem Bericht von der Gegenwart weiter in die Zukunft und stellte vor den rund 200 Delegierten und Gästen im Haus der Region in Hannover klare Forderungen auf. Dabei ging es um die Novellierung des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes, die Ausbildung an der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz (NABK), die Behinderung durch Gaffer und Bildung von Rettungsgassen, die Freistellung von Bundes- und Landesbeamten für die Aus- und Fortbildung und Sorgen um den Katastrophenschutz. Wahlen zum Vorstand und die Verleihung von Ehrungen waren weitere Höhepunkte der Delegiertenversammlung 2018 des Feuerwehrverbandes Region Hannover.

Die Delegierten und Gäste wurden im Haus der Region von der 1. Regionsrätin Cora Hermenau und dem Bürgermeister und Ratsvorsitzenden der Landeshauptstadt Hannover Thomas Hermann begrüßt. Cora Hermenau ging dabei auch auf die Herausforderungen der digitalen Zukunft ein, bei der die Region Hannover die Feuerwehren tatkräftig unterstützen wird. Thomas Hermann ging unter anderem auf das Phänomen der zunehmenden Gewalt gegen Einsatzkräfte ein und appellierte an die Delegierten, sich dadurch nicht entmutigen zu lassen.

Der Verbandsvorsitzende Karl-Heinz Mensing forderte im Zusammenhang mit der anstehenden Novellierung des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes, dass bei den Leistungen für Hinterbliebene von bei Feuerwehreinsätzen ums Leben gekommenen Einsatzkräften der neuen Lebenswirklichkeit Rechnung getragen wird und auch Zahlungen an unverheiratete Partner und deren Kinder geleistet werden. Auch wäre es richtig, wenn Feuerwehrbedarfspläne nicht nur aufgestellt werden „können“ sondern aufgestellt werden „müssen“. Nur so kann eine bedarfsgerechte Ausstattung der Feuerwehren in jedem Fall sichergestellt werden. Weiter lobte Mensing die steigende Zuteilungsquote für Lehrgänge an der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz (NABK), forderte aber dass die Mittel dauerhaft um fünf bios sieben Millionen pro Jahr erhöht werden, um die Quantität und Qualität des Ausbildungsangebotes zu verbessern. Zusätzlich zu den feuerwehrspezifischen Lehrgängen forderte er ein Angebot von Seminaren zur Entwicklung der Führungskompetenz.

Karl-Heinz Mensing sprach auch sehr deutlich die Probleme der Feuerwehr bei Einsätzen mit Gaffern und nicht gebildeten Rettungsgassen. Er begrüßte die Verschärfung der Straffen für Gaffer und fordert ein konsequentes Durchgreifen von Polizei und Justiz. Bei der Tagung wurde dazu ein Banner der Freiwilligen Feuerwehr Wunstorf ins Bild gerückt, das bei Verkehrsunfällen zur Abschirmung der verunfallten Personen gegen neugierige Blicke dient und provokativ fordert: „NICHT GAFFEN, MITGLIED WERDEN!“. Mensing wies hinsichtlich der Probleme mit nicht oder unzureichend gebildeten Rettungsgassen darauf hin, dass sie bereits gebildet werden müssen, wenn der Verkehr ins Stocken geraten ist. Unzureichende Abstände zum Vordermann erschweren dabei die Bildung von Rettungsgassen. Menschen die auf schnelle Hilfe warten, müssen unter der Unachtsamkeit und Gleichgültigkeit der anderen Autofahrer leiden. Weiter forderte der Verbandsvorsitzende ein stärkeres finanzielles Engagement des Bundes beim Katastrophenschutz ein. Durch den Klimawandel kommt es immer häufiger zu Unwettereinsätzen und eine Verdoppelung der Mittel für den Bevölkerungsschutz ist unumgänglich, so Mensing.

Weiter fanden die Berichte zu den Kinder- und Jugendfeuerwehren durch Regionsjugendfeuerwehrwart Michael Homann (Neustadt a. Rbg.), zur Feuerwehrmusik durch Regionsstabführer Rüdiger Finze (Springe) und zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit durch Regionspressewart Armin Jeschonnek (Gehrden) reges Interesse bei den Delegierten und Gästen im Regionshaus. Der weitere Aufwärtstrend bei den Kinderfeuerwehren sorgt für den Nachwuchs bei den Jungendfeuerwehren und diese sichern den Fortbestand der Freiwilligen Feuerwehren. Insgesamt sind 4.972 Kinder und Jugendliche in 330 Kinder- und Jugendfeuerwehren aktiv. „Die Feuerwehren retten, löschen, bergen, schützen … und musizieren.“ Das unterstreichen die 46 musizierenden Gruppen mit 1.490 Musiker in der Region bei ihren zahlreichen Konzerten und Auftritten. Damit tragen sie in erheblichem Maße zum kulturellen Leben in den Dörfern und Städten der Region bei. Der Feuerwehrverband unterstützt die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Feuerwehrpressesprecher in den Städten und Gemeinden der Region durch verschiedenste Erfahrungsaustausche und Seminare. Erstmalig wurde im Januar ein Seminar „Social Media in der Krisenkommunikation“ angeboten, dass sich mit den Herausforderungen und der Nutzung der Sozialen Medien bei größeren Schadenslagen beschäftigt.

Bei den anstehenden Wahlen zum Vorstand wurde under anderem der stellvertretende Vorsitzende für die Sparte Berufsfeuerwehr Claus Lange, Direktor der Feuerwehr Hannover, wiedergewählt. Neuer stellvertretender Vorsitzender der Sparte der Freiwilligen Feuerwehren wurde der Stadtbrandmeister von Hannover, Michal Wilke. Zum Abschluss der Versammlung wurden vom Vize-Präsidenten des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen Klaus-Peter Grote und dem Vorsitzenden Karl-Heinz Mensing Ehrungen vorgenommen. Mit der Ehrennadel in Silber des Landesfeuerwehrverbandes wurden der Geschäftsführer des Verbandes Kai Krömer (Barsinghausen-Langreder) und Brandmeister Lothar König (Isernhagen) ausgezeichnet. Das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber erhielten der Abschnittsleiter V Horst Holderith (Isernhagen), der Stadtbrandmeister von Langenhagen Arne Boy, der stellvertretende Stadtbrandmeister von Lehrte Norbert Zilz, der stellvertretende Gemeindebrandmeister der Wedemark Jens Kahlmeyer, der Ausbilder Hans-Jürgen Reichert aus Lehrte-Hämelerwald und der Oberbrandmeister Jörg Padey aus Wedemark-Bissendorf. Die höchste Auszeichnung im Feuerwehrwesen wurde dem Lehrter Stadtbrandmeister Jörg Posenauer mit dem Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold verliehen. Neues Ehrenmitglied des Feuerwehrverbandes Region Hannover ist der ehemalige Stadtbrandmeister von Ronnenberg Jörg Tadje.

Die Versammlung schloss dann mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne durch alle Delegierten und Gäste, begleitet durch das Blasorchester des Feuerwehrverbandes Region Hannover unter der Leitung von Hauptstabführer Pieter Sikkema.

Bei den Vorstandswahlen wurden Claus Lange (Stellvertretender Vorsitzender Sparte Berufsfeuerwehr, Leiter der Feuerwehr Hannover), Michael Wilke (Stellvertretender Vorsitzender Sparte Freiwillige Feuerwehren, Stadtbrandmeister Hannover), Jörg Engel, Eberhard Schmidt und Eric Pahlke (Beisitzer Brandschutzabschnitte I, II, und III der Region Hannover), Dieter Rohrberg (Beisitzer Sparte Berufsfeuerwehr, Stv. Leiter der Feuerwehr Hannover) und Michael Psarrianos (Beisitzer Freiwillige Feuerwehren der Landeshauptstadt Hannover, Stv. Stadtbrandmeister) gewählt.

Der Artikel wurde im die Vorstandswahlen ergänzt.