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Ãœberlastete Notaufnahmen: Zentrale Notaufnahmen der Region starten gemeinsame Info-Kampagne

„KEIN Fall für die Notaufnahme!“ – Dr. Jens Albrecht (v.l.n.r.), Ärztlicher Direktor und Leiter der Notaufnahme im Vinzenzkrankenhaus, Christine Karasch, Gesundheitsdezernentin der Region, Dr. Andreas Philippi, Niedersachsens Gesundheitsminister, Thorsten Schmidt, stellv. Vorstandsvorsitzender der kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Regionspräsident Steffen Krach, Dr. Torben Brod, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme MHH und Caterina Ruggenini von der Gesundheitsregion Region Hannover bei der Vorstellung der gemeinsamen Plakatkampagne. Foto: Region Hannover / P. Schröder.

Region. Notaufnahmen sind ausschließlich für echte Notfälle, also sehr schwere, lebensbedrohliche Verletzungen da. Viele Menschen suchen jedoch die Notaufnahme auf oder rufen den Rettungsdienst, ohne dass ihre Lage lebensbedrohlich ist. Die Folge davon sind überfüllte Notaufnahmen und damit fehlende Ressourcen für echte Notfälle, bei denen eine schnelle Hilfe dringend oder sogar überlebenswichtig sein kann. An diesem Punkt setzt die gemeinsame Plakatkampagne der Zentralen Notaufnahmen und der Gesundheitsregion Region Hannover an: Künftig informieren Plakate in allen Notaufnahmen und sensibilisieren so für einen bewussten Umgang mit dem Notruf und Notfallaufnahmen.

Dr. Andreas Philippi, Niedersachsens Gesundheitsminister, betont: „Die Belastungen für Rettungsdienste, Notärzte und die Notaufnahmen sowie auch für den Bereitschaftsdienst der Vertragsärzte sind zu hoch. Das hat insbesondere auch damit zu tun, dass gefühlte Notfälle nicht gleich tatsächliche Notfälle sind. Zudem gibt es in der Bevölkerung Verwirrung wegen der 112 und der 116 117. Das ist ein bundesweites Phänomen und daher arbeitet der Bund auch an einer Reform. Niedersachsen bringt sich hierbei ein, damit es eine gute Reform wird, die die Besonderheiten des Flächenlandes berücksichtigt. Dabei ist natürlich sehr hilfreich und vorbildlich, dass die Gesundheitsregion Region Hannover vorangeht und alle Akteure eng zusammenarbeiten. Die Kampagne ist sehr gelungen, weil sie das Problem samt Lösung auf den Punkt bringt.“

Regionspräsident Steffen Krach unterstreicht: â€žEs ist uns und allen Beteiligten ein großes Anliegen, eine schnelle Notfallversorgung regionsweit flächendeckend zu gewährleisten. Dazu gehören in erster Linie gut ausgestattete Krankenhäuser und kurze Rettungswege. Gemeinsam mit dem Klinikum Region Hannover arbeiten wir daran, hier immer besser zu werden. Wir müssen aber noch an einem zweiten Punkt ansetzen und das ist der Umgang von Patient*innen mit Notaufnahmen und Notruf. Häufig sind Notaufnahmen überlastet, weil viele Menschen dort sind, die auch haus- oder fachärztlich versorgt werden könnten. Um dem entgegenzuwirken, müssen wir mehr Aufklärungsarbeit leisten. Deshalb sind die gemeinsame Kooperation und diese Kampagne so wichtig, mit der die Menschen leicht verständlich informiert und sensibilisiert werden.“

Die Zusammenarbeit zwischen den Kliniken besteht schon seit 2015 unter dem Dach der Gesundheitsregion Region Hannover, in der sich die Akteur*innen der gesundheitlichen Versorgung in der Region miteinander vernetzen und zusammen an der Gestaltung der bürger*innennahen Versorgung arbeiten. Die Arbeitsgemeinschaft „Notfallversorgung“ setzt sich zusammen aus Vertreter*innen aller Zentralen Notfallaufnahmen (ZNA), des Rettungsdienstes, der Regionsleitstelle, der Ärztekammer Niedersachsen sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen und arbeitet seit 2017 an gemeinsamen Lösungen, um die in allen ZNA prekäre Situation zu verbessern. „Es zeigt sich erneut an der entstandenen Plakatkampagne, wie wichtig und zielführend es ist, wenn man sich regelmäßig trifft, sich austauscht und gemeinsam an Resultaten arbeitet“, sagt Christine Karasch, Gesundheitsdezernentin der Region Hannover und Leiterin der Gesundheitsregion Region Hannover.

AG-Sprecher Dr. Jens Albrecht, Ärztlicher Direktor und Leiter der Notaufnahme im Vinzenzkrankenhaus Hannover, ergänzt: „Ich bin froh, dass es mit der Notfall-AG gelungen ist, sämtliche Akteure der Notfallversorgung in und um Hannover an einen Tisch zu bekommen, um die aus verschiedenen Gründen immer schwieriger werdende Situation der Notfallversorgung gemeinsam zu besprechen und nach Lösungsansätzen zu suchen. Allein im Vinzenz hatten wir in 2023 einen Anstieg von über 15 Prozent an Patientenkontakten in unserer ZNA – mit allen daraus erwachsenden Problemen. Ein sichtbarer Baustein der gemeinsamen Aktion für eine verbesserte Notfallversorgung ist die heute dargestellte Plakataktion.“ Das sieht auch Dr. Torben Brod, Ã„rztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme Medizinische Hochschule Hannover (MHH), so: „Um eine hochwertige Notfallversorgung auch in Zeiten zunehmenden knapper werdenden Personalressourcen sicherstellen zu können, ist eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure entscheidend. Die AG ,Notfallversorgung‘ der Gesundheitsregion Region Hannover leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.“

Die unterschiedlichen Plakate der Kampagne, die ab sofort startet, informieren Wartende direkt vor Ort über Symptome, die eine Vorstellung in der Notaufnahme rechtfertigen: Dazu gehören zum Beispiel Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle, plötzliche Sprachstörungen, Lähmungen oder Brustschmerzen oder Vergiftungen. Sind die Symptome nicht lebensbedrohlich, verweisen die Plakate auf die Hausärzte oder an den ärztlichen Bereitschaftsdienst außerhalb der Öffnungszeiten unter der Rufnummer 116 117. „Die Plakatkampagne soll Unterstützung bei der Orientierung in unserem Gesundheitssystem geben. Das unterstreicht, wie wichtig eine geordnete Steuerung ist. Notaufnahmen sind für Notfälle zuständig und auch der ärztliche Bereitschaftsdienst soll nur dann aufgesucht werden, wenn die hausärztliche Praxis geschlossen hat und die Beschwerden überbrückungsweise behandelt werden müssen“, erklärt Thorsten Schmidt, stellv. Vorstandsvorsitzender der kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen.  „Natürlich ist es nicht immer einfach, die eigenen Beschwerden klar einzuordnen. Hier hilft die Rufnummer 116 117, unter welcher die Ansprechpersonen anhand medizinischer Kriterien Empfehlungen und Informationen zur akuten Behandlungsbedürftigkeit geben.“