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Warnstreik bei Bergmann: Belegschaft kämpft für Tarifanbindung

Protest: Die streikenden Mitarbeiter der Firma Bergmann-Automotive vor dem Streiklokal in der Kulturfabrik Krawatte.

Barsinghausen. Warnstreik bei der Firma Bergmann-Automotive in Barsinghausen: Die Belegschaft des Motorenteile-Herstellers hat am Freitag in zwei Schichten vor- und nachmittags die Arbeit niedergelegt. Hinter dem Streikaufruf der IG Metall steht die Forderung an Bergmann, sich an den Flächentarifvertrag der Metallindustrie anzubinden. Zwei frühere Warnstreiks im März und April blieben nach Angaben von Gewerkschaftssprecher Ingo Arlt ohne konkrete Gesprächsergebnisse.

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Bereits mehrfach habe die IG Metall versucht, Bergmann-Automotive zur Rückkehr in die Tarifbindung der Metallindustrie zu bewegen. "Bislang vergebens. Seit etwa 20 Jahren ist Bergmann nicht tarifgebunden. Und das hat natürlich Auswirkungen auf die Belegschaft", erläuterte Arlt. Zu diesen Auswirkungen gehörten zum Beispiel ein geringerer Verdienst, längere Arbeitszeiten sowie Einschränkungen beim Kündigungsschutz und im Mitbestimmungsrecht.

Zuletzt habe es in den Jahren der Corona-Pandemie seit 2020 immerhin eine tarifliche Vereinbarung mit Bergmann gegeben, die insbesondere eine bis Sommer 2022 laufende Beschäftigungssicherung enthielt. Mit dem Ende dieser Tarifregelungen sei dann jedoch die Entlassung von mehr als 50 Leuten vorbereitet worden, die mit Jahresbeginn 2023 wirksam wurde. Derzeit seien noch rund 140 Kollegen in der Gießerei und in der mechanischen Verarbeitung beschäftigt.

Darüber hinaus schreibt der Betrieb laut Ingo Arlt schwarze Zahlen, an denen die Beschäftigten mit Tarifregelungen beteiligt werden wollen. "Da wird Geld verdient. Im Jahr 2023 hat Bergmann am Standort Barsinghausen einen Gewinn von sechs Millionen Euro erzielt", betonte der Gewerkschaftssprecher. Diese Zahl sei während einer Betriebsversammlung bekanntgemacht worden.

Dennoch sei auch der IG Metall bekannt, dass die Situation in der Branche problematisch sei. Darum werde die Gewerkschaft bei einem Eintritt des Unternehmens in den Tarif der Metall- und Elektroindustrie durchaus Ausnahmeregelungen akzeptieren und darauf achten, dass es nicht zu einer wirtschaftlichen Überforderung kommt. "Der Tarifvertrag macht den Betrieb nicht kaputt", machte Arlt deutlich.

Nach Einschätzung des Betriebsratsvorsitzenden Zafer Yanik herrscht innerhalb der Belegschaft eine große Verärgerung, weil die Firma bislang keine Gesprächsbereitschaft zeige und stattdessen Angstmacherei mit dem Hinweis auf bedrohte Arbeitsplätze betreibe. "Es heißt dann immer: Wir haben kein Geld für eure Forderungen. Aber das zieht bei den Leuten nicht mehr. Wir leisten gute Arbeit, und dafür wollen wir auch eine gute Gegenleistung haben", erklärte der Betriebsrat. Davon hänge schließlich auch die Existenz der Mitarbeiter und ihrer Familien ab.

Während des achtstündigen Warnstreiks stand die Produktion bei der Firma Bergmann laut Ingo Arlt still. Der Tag sei für den Ausstand bewusst gewählt worden, denn am Folgetag schließe das Werk während einer Sommerpause. Die Streikenden kamen in der Kulturfabrik Krawatte zusammen, dort hatte die IG Metall ein Streiklokal eingerichtet.

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