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„Deisterfreunde“ wachsen stark wie nie - Langjährige Vorsitzende treten ab

Der neue DF-Vorstand: Mirko Haendel (von links), Alex Diemert, Tina Hachmann und Mark Wolf.

Barsinghausen. Während viele Sportvereine in den vergangenen Monaten unter den pandemiebedingten Einschränkungen gelitten haben und Mitgliederverluste hinnehmen mussten, ist das Jahr 2020 für die Deisterfreunde mehr als glimpflich verlaufen. Zwar kam auch bei den Radsportlern ein Großteil des Vereinslebens zum Erliegen, doch ist der Mountainbikeverein aus Barsinghausen im vergangenen Jahr so stark gewachsen wie noch nie. Mit über 700 Mitgliedern und neuen Vorsitzenden gehen die Deisterfreunde ins neue Jahr. .

Kassenwart Mark Wolf präsentierte auf der virtuell veranstalteten Jahreshauptversammlung Ende März beeindruckende Zahlen. Die über 130 Vereinsmitglieder, die per Youtube-Stream der über Videokonferenz ablaufenden Veranstaltung folgen konnten, staunten nicht schlecht, wie ihre Kommentare verdeutlichten. Stand 31. Dezember 2020 zählte der Verein 618 Mitglieder. Das ist ein Zuwachs von 121 Personen – bei 23 Abmeldungen - innerhalb eines Jahres. Dazu kamen noch einmal 67 Neuzugänge, deren Aufnahme sich bis ins neue Jahr hinein verzögerte. So war der Verein bis Ende März bereits auf 685 Mitglieder, bis Mitte April auf 710 angewachsen. “Es war ein total krasses Jahr. Wir hatten durchschnittlich alle zwei Tage eine Neuanmeldung”, berichtete Wolf. Besonders starken Zuwachs bekam die Gruppe der Jugendlichen unter 18 Jahren, hier traten 2020 48 Mountainbiker in den Verein ein. Die Verantwortlichen vermuten, dass dies mit dem gewachsenen Trainingsangebot und der Einführung eines ermäßigten Mitgliedsbeitrags für Kinder und Jugendliche zu tun hat.

Darüber hinaus scheint der Verein auch von den einschränkenden Maßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie profitiert zu haben. Während ein Großteil des Sportangebots ersatzlos gestrichen werden musste, waren die Mountainbiker im Deister nur zu Beginn des ersten Lockdowns von einer Sperrung ihres Geländes betroffen. Viele Sportler wendeten sich wohl auch daher dem Mountainbikesport zu, nicht wenige entschieden sich für eine Mitgliedschaft bei den Deisterfreunden.

Mit wachsender Mitgliederzahl sind auch die Ausgaben des Vereins gewachsen, der aufgrund des steigenden Nutzungsdrucks großen Aufwand betreibt, seine drei von den Niedersächsischen Landesforsten gepachteten Strecken (“Trails”) zu pflegen. So summierten sich die Kosten für alles, was mit der Streckenpflege zu tun hat, im vergangenen Jahr auf etwa 12.000 Euro. Die sogenannte Trailcrew, ein Team, das für die Streckenpflege zuständig ist, hat im vergangenen Jahr nahezu 2000 Arbeitsstunden abgeleistet.

Zu Beginn dieses Jahres stand der Wiederaufbau des unteren Teils des Vereinstrails “Ladies only” auf dem Programm. Der Streckenabschnitt war aufgrund von umfassenden Forstarbeiten zerstört und somit unbefahrbar gemacht worden. Mittlerweile ist der Trail wieder komplett zu nutzen und offensichtlich beliebter denn je. Am dritten Aprilwochenende zählten Vorstandsmitglieder auf dem Trail wie auch auf den anderen beiden Strecken innerhalb weniger Stunden mehrere Hundert Mountainbiker. Die Vereinsführung sah sich gezwungen, die Trails aus Sicherheitsgründen für die Dauer des Wochenendes zu sperren. Gemeinsame Aktivitäten wie das beliebte Vereinsrennen auf dem Ü30-Trail, das Grillfest und der Besuch eines Bikeparks im Harz musste bis auf eine Ausnahme pandemiebedingt allesamt ausfallen.

Seit fast zwei Jahren bietet der Mountainbikeverein Mitgliedern wie Nichtmitgliedern unter dem Namen Trailschool Fahrtechnikkurse und geführte Touren an. Auch wenn aufgrund der Pandemie nur ein Bruchteil des üblichen Angebots stattfinden konnten, ist laut Trailschool-Mitglied Tina Hachmann ein Trend deutlich zu erkennen: “Immer mehr Kinder und Jugendliche nehmen an unseren Kursen teil.” Dieser Entwicklung wolle man Rechnung tragen und die Übungsareale für die ganz jungen Biker ausbauen. Hachmann betonte: „Wir werden in Zukunft einen noch stärkeren Fokus auf die Kinder- und Jugendarbeit legen.“

Die Entwicklung der Deisterfreunde entscheidend beeinflusst haben in den vergangenen Jahren die beiden Vorsitzenden Oliver Reich und Rüdiger Dinse. Das Duo stellte sich in diesem Jahr nicht mehr zur Wahl. Die Vorstandswahlen wurden im Vorfeld der Jahreshauptversammlung auf digitalem Wege durchgeführt. Der Verein wird zukünftig von einer Frau geführt. Die 35-jährige Ronnenbergerin Tina Hachmann übernimmt das Amt der 1. Vorsitzenden. Alexander Diemert (54 Jahre) aus Barsinghausen wird 2. Vorsitzender. Mirko Haendel als Schriftführer und Kassenwart Mark Wolf wurden in ihren Ämtern bestätigt. Hachmann sagte nach Bekanntgabe der Ergebnisse: “Ich bin stolz darauf, in Oli Reichs Fußstapfen treten zu dürfen.” Reich zeigte sich zuversichtlich, dass die neuen Vorsitzenden die erfolgreiche Arbeit des bisherigen Vorstands fortsetzen werden. Er bat die Mitglieder, den neuen Vorstand zu unterstützen. “Lasst sie nicht auflaufen und seid ihnen dankbar für ihr Engagement, denn der Vorstand ist eine tragende Säule des Vereins.”

Erste größere Aufgabe der beiden Vorsitzenden wird es sein, die Interessen des Vereins bei den vor wenigen Tagen wieder aufgenommenen “Runden Tisch”-Gesprächen “Mountainbiking im Deister” mit Waldeigentümern und der Region Hannover zu vertreten. Aufgrund der lockdownbedingt stark gestiegenen Nutzung des Waldes durch Ausflügler, Wanderer und Sportler gibt es bei der Region Überlegungen, den Deister als Naturpark nach Vorbild des Harzes auszuweisen, um Tourismus, Naherholung, Naturschutz und Forstwirtschaft besser koordinieren zu können. Daher will die Region Hannover nun ein umfangreiches Waldnutzungskonzept auf den Weg bringen. Dieses soll Teil einer größer angelegten Machbarkeitsstudie zu Entwicklungspotenzialen des Deisters sein an dessen Ausarbeitung sich dann auch die Teilnehmer des Runden Tisches beteiligen.