Barsinghausen/Region. Das Jahr 2025 war aus Sicht des organisierten Tierschutzes ein schwieriges Jahr. Kritisch bewertet der Tierschutzverein Barsinghausen insbesondere politische Entwicklungen auf Bundesebene. Die Ausrichtung der Agrarpolitik, eine starke Agrarlobby sowie strukturelle Interessenkonflikte im Bereich des staatlichen Tierschutzes hätten dazu beigetragen, dass sich die Situation für Nutztiere weiter verschärft habe. Aus Sicht des Vereins fehlt es weiterhin an einer klaren, unabhängigen Vertretung der Interessen von Tieren auf politischer Ebene.
Millionen Tiere betroffen – auch Menschen leiden
Auch 2025 wurden in Deutschland wieder 44 Millionen Schweine, 3 Millionen Rinder und 700 Millionen Hühner für die Fleischproduktion gehalten und getötet, so der Vereinsvorsitzende Ernst Wildhagen. Der Verein weist darauf hin, dass Massentierhaltung nicht nur mit großem Leid für Tiere verbunden sei, sondern auch für viele Beschäftigte in der Fleischindustrie problematische Arbeitsbedingungen mit sich bringe. Der Tierschutzverein fordert daher grundlegende strukturelle Veränderungen und eine klare Trennung zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Schutz von Tieren.
Erfolgreiche Arbeit des Tierschutzvereins Barsinghausen
Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen blickt der Tierschutzverein Barsinghausen auf ein insgesamt erfolgreiches Vereinsjahr zurück. Mehr als 200 Tiere wurden 2025 im Tierheim aufgenommen, medizinisch versorgt, betreut und anschließend in ein neues, geeignetes Zuhause vermittelt. Ziel sei es stets, nicht nur Tiere aufzunehmen, sondern ihnen dauerhaft ein gutes Leben zu ermöglichen.
Prävention statt Überfüllung der Tierheime
Ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit liegt weiterhin auf Prävention. Seit vielen Jahren engagiert sich der Verein in der Kastration freilebender Katzen, um unkontrollierte Vermehrung zu verhindern. Zudem wird großer Wert auf eine verantwortungsvolle Vermittlung gelegt. Interessierte müssen nachweisen, dass sie die laufenden und eventuellen zusätzlichen Kosten für ein Tier langfristig tragen können. Ergänzend unterstützt der Verein Haus-zu-Haus-Vermittlungen und hilft mit einem Hilfsfonds Tierhaltern, die unverschuldet in Not geraten sind.
Engagiertes Team und starkes Ehrenamt
Der Verein beschäftigt mittlerweile sieben Teilzeitkräfte sowie Bundesfreiwilligendienstleistende. Seit dem 1. Januar 2026 steht mit Verena Daugs erstmals eine ausgebildete Tierheimleiterin an der Spitze des Tierheims. Der Vorstand besteht aus sieben erfahrenen Mitgliedern. Getragen wird die Arbeit jedoch vor allem von rund 100 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Ein besonderer Meilenstein wurde 2025 mit dem 500. Vereinsmitglied erreicht – eine Verdopplung der Mitgliederzahl innerhalb von 20 Jahren.
Moderne Ausstattung und gute Infrastruktur
Das Tierheim befindet sich in einem guten baulichen Zustand und wird kontinuierlich modernisiert und erweitert. Seit Anfang 2025 steht dem Verein zudem ein eigenes Tierschutzfahrzeug für Einsätze zur Verfügung, was die Arbeit deutlich erleichtert.
Zusammenarbeit mit Kommunen und Behörden
Mit den Städten Barsinghausen, Gehrden und neu auch Pattensen bestehen Fundtierverträge. Die Zusammenarbeit mit Ordnungsämtern, Polizei und dem Veterinäramt der Region Hannover wird als sehr gut beschrieben. Kritisch sieht der Verein weiterhin die Situation in Wennigsen, wo bislang keine Vereinbarung zur Fundtieraufnahme besteht. „Stattdessen werden Ordnungsamtsmitarbeiter, Polizei und sogar die Rettungsleitstelle (112) damit belastet. Hier sieht der Verein dringenden politischen Handlungsbedarf“, so Wildhagen.
Finanzierung bleibt große Herausforderung
Der Tierschutzverein finanziert sich überwiegend aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Die Vergütungen für die Aufnahme von Tieren decken die tatsächlichen Kosten nicht. Steigende Personal- und Tierarztkosten stellen den Verein zunehmend vor finanzielle Herausforderungen. Um die Arbeit langfristig sichern zu können, seien regelmäßige Spenden und öffentliche Zuschüsse unerlässlich.
Information und Unterstützung
Weitere Informationen zu Tieren, Vereinsarbeit und Unterstützungsmöglichkeiten gibt es auf der Homepage des Vereins sowie auf Facebook und Instagram. Das Tierheim in der Ludwig-Jahn-Straße 11 kann mittwochs zwischen 17 und 18 Uhr besucht werden.

