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Rund 4.400 Fälle häuslicher Gewalt mit weiblichen Betroffenen

Symbolfoto. Quelle: pixabay.

Hannover. In der Landeshauptstadt Hannover wurden im Jahr 2025 4.399 Fälle häuslicher Gewalt mit weiblichen Betroffenen registriert. Im Jahr 2024 waren es 4.338 Fälle. Die Gesamtfälle der Beratungs- und Interventionsstellen (BISS), die explizit zu häuslicher Gewalt beraten, liegen bei 3.702 weiblichen Betroffenen (2024: 3.655). Die Zahl der Frauen, die sich direkt bei den BISS-Verbundstellen gemeldet haben, ist leicht von 997 auf 982 Personen gesunken. Das geht aus dem Jahresbericht 2025 des Hannoverschen Interventionsprogramms (HAIP) hervor. 

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„Häusliche Gewalt ist ein unangenehmes Thema und daher reden wir viel zu selten darüber. Die diesjährigen Zahlen zeigen jedoch einmal mehr, wie wichtig es ist, hier das Schweigen zu brechen und dafür zu sorgen, dass die Betroffenen in Hannover wirklich die Hilfe bekommen, die sie so dringend brauchen“, betont Hannovers Gleichstellungsbeauftragte Luisa Arndt.

Ein wichtiger Baustein in der HAIP-Arbeit des vergangenen Jahres war der Klausurtag „Umsetzung der Istanbul-Konvention – Ist/Soll-Analyse der Bausteine“. Die Istanbul-Konvention von 2011 – ein Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt â€“ ist ein völkerrechtlich bindendes Instrument zur umfassenden Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Dazu gehören Opferschutz, Prävention und Strafverfolgung sowie die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter in den Verfassungen und Rechtssystemen. Wesentliches Ergebnis des HAIP-Klausurtags dazu im vergangenen Herbst war ein Positions- und Forderungspapier, das die bestehenden Bedarfe klar benennt und konkrete Forderungen an die Politik richtet. Mit dem umfangreichen Papier werden zum Beispiel eine auskömmliche Finanzierung für die Gewaltschutzinfrastruktur, eine Modernisierung und Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit sowie eine regelmäßige Aus- und Fortbildung von Mitarbeitenden im Bereich Jugendamt, Ausländerbehörde und Wohnraumvermittlung gefordert.

Einen weiteren Schwerpunkt der HAIP-Arbeit bildete die Ausstellung „HerzSchlag“ des Landeskriminalamts Niedersachen, die im Dezember für eine Woche im Bürgersaal des Neuen Rathauses in Hannover gezeigt wurde. Auf unterschiedliche Weise werden dabei Aspekte partnerschaftlicher Gewalt thematisiert und Möglichkeiten der Hilfe skizziert. Ein besonderes Augenmerk gilt Jugendlichen, denn Studien zeigen, dass Gewalt in jugendlichen Beziehungen eine relevante Rolle spielen kann. Junge Menschen, insbesondere mit Erfahrungen familiärer Gewalt, sind dabei einem erhöhten Risiko ausgesetzt, selbst Gewalt zu erleben oder auszuüben. Etliche Schüler*innen wurden durch Mitarbeitende der Beratungs- und Interventionsstellen des HAIP-Netzwerkes (darunter auch die Polizei) durch die Ausstellung begleitet.

Der HAIP-Bericht geht auch intensiv auf die Einrichtung einer Gewaltschutzwohnung für von häuslicher Gewalt betroffene Männer ein. Mit diesem Schritt wurde im Oktober 2025 eine bis dahin bestehende Schutz- und Versorgungslücke im Hilfesystem der Landeshauptstadt Hannover geschlossen. Die Gewaltschutzwohnung richtet sich an volljährige Männer, die im Kontext von Partnerschaftsgewalt, familiärer Gewalt oder Bedrohungslagen – beispielsweise im Zusammenhang mit Zwangsheirat, Stalking oder sexualisierter Gewalt – akut schutzbedürftig sind. Träger der Gewaltschutzwohnung ist das Männerbüro Hannover e.V., das im Rahmen des Hannoverschen Interventionsprogramms gegen Häusliche Gewalt (HAIP) seit fast zwanzig Jahren im Bereich der Beratung männlicher Opfer tätig ist.

Darüber hinaus gehört zu den laufenden Aufgaben der HAIP-Geschäftsstelle das Bestreben, das Netzwerk bekannter zu machen und die Zusammenarbeit mit Akteur*innen unter anderem aus den Bereichen Stadtteilarbeit und Frauen im Kontext von Wohnungslosigkeit zu verfestigen.

 Hintergrund: HAIP

Das „Hannoversche Interventionsprogramm gegen Häusliche Gewalt“ ist ein interdisziplinär vernetztes Programm, in dem sich erfolgreich unterschiedliche Beteiligte gegen häusliche Gewalt engagieren. Die Federführung liegt bei der Gleichstellungsbeauftragten der Landeshauptstadt Hannover. Häusliche Gewalt im Sinne von HAIP umfasst alle Handlungen körperlicher, sexualisierter, psychischer oder wirtschaftlicher Gewalt, die innerhalb der Familie, des Haushalts oder zwischen früheren oder derzeitigen Eheleuten beziehungsweise Partner*innen vorkommen, unabhängig von Tatort und Aufenthaltsort. Diese Gewalt geht nach wie vor mehrheitlich von Männern aus. HAIP wurde vom 1992 gegründeten Runden Tisch gegen Männergewalt in der Familie entwickelt und 1997 durch eine entsprechende Verfügung des Polizeipräsidenten umgesetzt. Aktuell sind 44 Institutionen HAIP-Mitglieder.

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