Wennigsen. Die Gemeinde Wennigsen steht finanziell vor großen Herausforderungen. Das zeigen die Haushaltsstrukturdaten 2025, die die Finanzsituation der 20 Städte und Gemeinden in der Region Hannover vergleichen. Bereitgestellt werden die Daten von der Region Hannover, die die Kommunen anfragt. Vorgestellt wurden die Haushaltsstrukturdaten nun im Wennigser Finanzausschuss.
Besonders auffällig sind die vergleichsweise niedrigen Einnahmen, ein Defizit von mehr als acht Millionen Euro und hohe Schulden und Fehlbeträge je Einwohner. Gleichzeitig verzeichnet Wennigsen eine positive Bevölkerungsentwicklung und liegt bei einigen Ausgaben unter dem regionalen Durchschnitt.
Einnahmen bleiben unter dem Durchschnitt
Die ordentlichen Erträge der Gemeinde beliefen sich 2025 auf rund 33,34 Millionen Euro. Das entspricht 2.343 Euro je Einwohner. Der Durchschnitt der regionsangehörigen Kommunen lag bei 2.940 Euro. Im Vergleich belegt Wennigsen damit einen der hinteren Plätze (18). Auch bei den gesamten Steuern und ähnlichen Abgaben liegt die Gemeinde mit 1.504 Euro je Einwohner unter dem regionalen Durchschnitt von 1.750 Euro.
Ein differenziertes Bild zeigt sich bei den einzelnen Steuerarten. Der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer fällt mit 707 Euro je Einwohner vergleichsweise hoch aus: Hier erreicht Wennigsen den fünften Platz. Bei der Gewerbesteuer sind die Einnahmen dagegen deutlich niedriger. Sie betragen 484 Euro je Einwohner, während der Durchschnitt bei 744 Euro liegt.
Besonders gering ist der Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer. Mit 47 Euro je Einwohner weist Wennigsen im regionalen Vergleich den niedrigsten Wert auf. Auch bei den Schlüsselzuweisungen liegt die Gemeinde weit hinten: Sie erhält 126 Euro je Einwohner, verglichen mit durchschnittlich 357 Euro in der Region Hannover.
Millionen-Defizit trotz vergleichsweise niedriger Ausgaben
Den ordentlichen Erträgen von rund 33,34 Millionen Euro stehen ordentliche Aufwendungen von rund 41,82 Millionen Euro gegenüber. Die Ausgaben liegen bei 2.939 Euro je Einwohner und damit unter dem regionalen Durchschnitt von 3.187 Euro. Dennoch weist Wennigsen ein Defizit von 8.435.169 Euro aus.
Bei den Personalaufwendungen schneidet die Gemeinde vergleichsweise günstig ab. Einschließlich der Aufwendungen für Einrichtungen und Eigenbetriebe liegen diese bei 816 Euro je Einwohner. Der Durchschnitt der Region Hannover beträgt 1.069 Euro. Auch die Ausgaben für Sach- und Dienstleistungen sind mit 482 Euro je Einwohner niedriger als der Vergleichswert von 526 Euro.
Die Aufwendungen für die Regionsumlage liegen mit 624 Euro je Einwohner dagegen nahezu im Durchschnitt von 622 Euro.
Investitionen unter dem regionalen Durchschnitt
Für Investitionen gab die Gemeinde 2025 insgesamt rund 14,70 Millionen Euro aus. Damit liegt Wennigsen unter dem Durchschnitt der regionsangehörigen Kommunen, der bei rund 23,95 Millionen Euro liegt. Den größten Anteil der Investitionsauszahlungen machten Baumaßnahmen mit rund 14,14 Millionen Euro aus.
Auch bei den Tilgungen fällt der Betrag vergleichsweise gering aus. Die Gemeinde tilgte insgesamt rund 1,75 Millionen Euro. Der Durchschnitt der Kommunen lag bei rund 3,81 Millionen Euro. Die Zinsaufwendungen beliefen sich auf rund 1,16 Millionen Euro und lagen damit deutlich unter dem regionalen Durchschnitt von rund 2,08 Millionen Euro.
Hohe Schulden und Fehlbeträge je Einwohner
Besonders deutlich wird die finanzielle Belastung beim Blick auf die Summe aus Schulden und Fehlbeträgen. Diese belief sich in Wennigsen auf insgesamt rund 91,89 Millionen Euro. Je Einwohner entspricht das 6.456 Euro. Der regionale Durchschnitt lag laut Tabelle bei rund 4.174 Euro.
Damit gehört Wennigsen im Verhältnis zur Einwohnerzahl zu den stärker belasteten Kommunen der Region Hannover. In der Auswertung belegt die Gemeinde bei diesem Wert den 17. Platz. Die Gesamtbelastung aus Schulden und Fehlbeträgen liegt somit deutlich über dem regionalen Durchschnitt.
Einwohnerzahl steigt weiter
Zum Stichtag 30. Juni 2025 hatte Wennigsen 14.232 Einwohner. Damit ist die Gemeinde die kleinste der 20 verglichenen Städte und Gemeinden der Region Hannover. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Einwohnerzahl allerdings leicht gestiegen: Am 30. Juni 2024 waren es noch 14.216 Einwohner.
Langfristig zeigt sich ebenfalls ein Wachstum. Seit 1973 ist die Einwohnerzahl von 11.923 auf 14.232 gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 19,4 Prozent. Damit liegt Wennigsen bei der langfristigen Bevölkerungsentwicklung gleichauf mit Hemmingen.
Fazit: Finanzielle Spielräume bleiben begrenzt
Die Haushaltsstrukturdaten 2025 zeichnen für Wennigsen ein gemischtes Bild. Zwar liegen mehrere Ausgabenpositionen je Einwohner unter dem regionalen Durchschnitt. Gleichzeitig verfügt die Gemeinde über vergleichsweise geringe Einnahmen aus verschiedenen Steuerarten und Schlüsselzuweisungen. Das Defizit von mehr als acht Millionen Euro und die hohe Summe aus Schulden und Fehlbeträgen verdeutlichen die finanzielle Belastung.
Zum Vergleich wurde die Kommune Gehrden herangezogen, die Bedarfszuweisungen vom Land erhalten hat – wenn auch mit hohen Auflagen zu Einsparungen. In Wennigsen seien Einsparungen kaum noch möglich, weshalb das Land auf Auflagen, jedoch auch auf eine unterstützende Bedarfszuweisung verzichte. Die Kommunen seien daher trotz Vergleichsparameter noch unterschiedlich aufgestellt.
Die Zahlen zeigten dennoch, dass die Gemeinde vor der Herausforderung steht, ihre Einnahmen und Ausgaben langfristig in ein tragfähiges Verhältnis zu bringen. Welche konkreten politischen Maßnahmen daraus folgen und wie sich die Finanzlage in den kommenden Jahren entwickelt, wird auch Aufgabe des neuen Rates sein, der sich am 12. November konstituieren wird.

