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Ehrenbürger Fritz G. Cohen: Beisetzung auf dem jüdischen Friedhof Ronnenberg

Ehrenbürger Fritz G. Cohen: Beisetzung auf dem jüdischen Friedhof Ronnenberg.

Ronnenberg. Fritz Cohen ist Ende 2024 im Alter von 102 Jahren in Chicago gestorben. Während des Naziterrors wurde der 15-Jährige 1938 mit seinen Eltern aus Ronnenberg in die USA vertrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat er sich in einzigartiger Weise um eine Verständigung zwischen der Großfamilie Seligmann-Cohen und den Menschen in der ehemaligen Heimat bemüht. Damit die Verbundenheit mit dem ehemaligen Heimatort besiegelt werde, hat er zu Lebzeiten entschieden: Eine Hälfte seiner Asche sollte neben seiner Frau Leona in den USA, die andere Hälfte auf dem jüdischen Friedhof seiner ehemaligen Heimat beigesetzt werden. Damit wurde dieser Friedhof nach 92 Jahren nun wieder belegt. In W. Lafayette (USA) wurde der Akt bereits im Juni vollzogen. Nun kamen die Familienangehörigen von Cohen aus den USA, Israel und England auch nach Ronnenberg.

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Im Anschluss an die nicht öffentliche Beisetzung gab es von der Stadt Ronnenberg und vom Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg einen kleinen Empfang. „Heute war ein besonderer und bewegender Tag für uns alle“, sagte Bürgermeister Marlo Kratzke gegenüber der Familie. Auch die stellvertretende Regionspräsidentin Petra Rudzuck und Shaun Hemel von der Gedenkstätte Ahlem waren neben weiteren Gästen und Freunden der Familie anwesend.

„Wir haben Fritz Cohen hier in alter Tradition beigesetzt, hier, wo seine Geschichte begann“, so Kratzke weiter. In Zeiten, in denen immer weniger Zeitzeugen ihre Geschichten erzählen könnten, sei es Aufgabe der jüngeren Generationen, die Erinnerung am Leben zu halten. „Mit Haltung, mit Mut und mit einem klaren ‚Nein‘ zu jeder Form von Feindseligkeiten.“ Cohen habe mit der Geste der Beisetzung in Ronnenberg gezeigt, dass Versöhnung möglich sei. „Er hat nicht verurteilt, sondern zugehört, erzählt und erklärt und den Menschen die Hand gereicht. Lassen Sie uns gemeinsam tun, was Fritz Cohen Zeit seines Lebens getan hat: die Erinnerung bewahren und Brücken bauen.“

Petra Rudzuck sagte, dass sie Cohen nie persönlich kennenlernen durfte, sich aber umso mehr freue, nun die Familie kennenzulernen. „Seine Geschichte hat mich sehr beeindruckt. Er war eine ganz besondere Person.“

Shaun Hemel von der Gedenkstätte Ahlem hat Cohen vor 25 Jahren bei einem Interview kennengelernt. „Ich bin sehr dankbar, dass wir seine Erinnerungen und Erfahrungen in der Gedenkstätte aufnehmen konnten und zukünftige Generationen von ihm lernen können.“

Gut eine Woche bleibt die Familie in Deutschland. Noch vor der Beisetzung trug sie sich in das Goldene Buch der Stadt Ronnenberg ein.

„Die Erinnerungskultur auf Bundesebene ist wichtig“, so Kratzke während des Empfangs, „doch auch diese kleinen persönlichen Treffen wie heute hier sind wichtig, denn daraus entstehen dann die großen Dinge und ein Miteinander.“

Zur Ehrung für Fritz Cohen lädt der Förderverein Erinnerungsarbeit Ronnenberg (FER), dessen Ehrenvorsitzender der Verstorbene seit der Gründung war, zu einer Ausstellung ein, in der originale Exponate und Kopien von und über die Familie Cohen gezeigt werden. Sie ist am Samstag, 30. August, ab 11 Uhr in der Velsterstraße 2 zu sehen. Geplant sind Führungen durch die Ausstellung. Da jeweils nur zehn Personen Einlass erhalten können, sind Anmeldungen bis Donnerstag, 28. August, abends unbedingt erforderlich (E-Mail: Erinnerungsarbeit.Ronnenberg@gmx.de). Am Freitag (29. August) erfolgen die entsprechenden Zusagen.

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