Ronnenberg/Gehrden. Rote Farbe bedeckt die Hand des jungen Mannes, der hilflos auf dem Hof der Grundschule Ronnenberg liegt. Zwei Einsatzkräfte bemühen sich um ihn. Was sie tun, soll im Ernstfall Leben retten. Hier, in diesem Moment, geht es ums Trainieren. Der Mann ist kein Unfallopfer, sondern Akteur in einer Realistischen Unfalldarstellung (RUD). So nennen Hilfsorganisationen ein Übungsszenario für ihre Einsatzkräfte, das nah an der Wirklichkeit gestaltet ist. An diesem Tag ist die Grundschule am Ronnenberger Kirchhügel einer von vier Schauplätzen für ein Einsatztraining des Johanniter-Ortsverbands Deister. Insgesamt sind rund 40 ehrenamtlich aktive Menschen daran beteiligt. Auch Johanniter aus Wunstorf und Langenhagen unterstützen die Ronnenberger.
Die ehrenamtliche Helferschaft des Ortsverbands wird in diesem Jahr wieder Dutzende Veranstaltungen, Konzerte und Festivals in Ronnenberg und überregional mit seinem Sanitätsdienst begleiten. Jetzt, vor dem Start der Festivalsaison, ist der perfekte Zeitpunkt für eine Übung. Und so finden sich auch Justine Tasche und Pascal Suhr – beide sind hauptberuflich Notfallsanitäter in Ausbildung in Garbsen und Wunstorf – mitten in der Unfallszene auf dem Schulhof wieder. RUD-Leiterin Kathrin Blacha hat dem Darsteller alles geschminkt, was für eine realistisch anmutende, lebensbedrohliche Blutung nötig ist: Schnittverletzungen und Kunstblut, aber auch ein bleiches Gesicht. Zusätzlich liegen Glasscherben und eine Flasche herum; all das wird nach der Übung entsorgt. Jetzt aber müssen die beiden Sanitäter eine „Blutung“ stoppen und herausfinden, was dem Patienten noch fehlen könnte. Beide arbeiten Hand in Hand. Pascal erklärt dem Patienten jeden Schritt, den sie tun. „Die Kollegin legt Ihnen jetzt einen Verband an und gleich bekommen Sie Sauerstoff auf die Nase.“ Das Helfer-Duo ist nicht allein vor Ort; weitere Einsatzkräfte versorgen unter anderem eine Person mit Diagnose „Unterzuckerung“.
RUD-Leiterin Kathrin Blacha ist zufrieden; auch mit den anderen Trainingstrupps, die verschiedene Szenarien durchlaufen. Gemeinsam mit dem Übungsleiter René Dreier hat sie sich auf Übungen konzentriert, die den Einsatzalltag des Ortsverbands Deister widerspiegeln. „Es sind oft bunt gemischte Fälle, die uns zum Beispiel bei einem Schlagermove in Hamburg oder anderen Events beschäftigen“, sagt Kathrin. Schnittwunden gehören dazu, aber auch Frakturen, Krampfanfälle und die Folgen von zu viel Alkohol oder zu wenig Sonnenschutz. All dem begegnen die ehrenamtlich Helfenden in Teamarbeit. Auch die muss geübt werden.
Die Johanniter sind nicht nur in der Grundschule unterwegs. Bei der Freiwilligen Feuerwehr Lemmie in Gehrden trainieren sie die Reanimation; in der eigenen Dienststelle am Hagacker geht es um die Behandlung von Arbeitsunfällen. Am Nachmittag aber finden sich das Organisationsteam samt allen Helfenden und RUD-Darstellern gemeinsam auf dem Gelände der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Ronnenberg ein. Dort bauen die Helfenden eine Unfallhilfsstelle mit Zelt und Patientenablage auf. Mit dabei sind erfahrene Einsatzkräfte, aber auch Anfänger wie Tim Ullrich. Der 16-Jährige geht in Wennigsen zur Schule und ist Mitglied der Johanniter-Jugend. An der Übung nimmt er unter Begleitung von Erwachsenen und Jugendteamern teil; bei keinem Schritt ist er allein. In diesem geschützten Rahmen darf auch er Verbände anlegen und beim Zeltaufbau helfen. „Nach der Schule möchte ich gern Notfallsanitäter werden“, sagt Tim. Bei den Johannitern könne er jetzt schon viel lernen. Der gesamte Ortsverband Deister sammelt an diesem Tag praktische Erfahrung. „Solche Übungen bereiten uns als Gemeinschaft gut auf unsere Einsätze vor“, sagt Notfallsanitäter Niklas Tracht, der zum Leitungsteam der Ronnenberger Ehrenamtlichen gehört.

