Barsinghausen. Am Sonntagvormittag veranstaltete die Stadt Barsinghausen ihren Neujahrsempfang. Gut 500 Gäste aus Stadtgesellschaft, Vereinen, Kirchen, Schulen, dem Ehrenamt, den Feuerwehren und weiteren Bereichen kamen in der Aula im Schulzentrum Am Spalterhals zusammen. Höhepunkt der Veranstaltung war erneut die Vergabe des Preises für Zivilcourage – die Helfende Hand.
500 Gäste beim Neujahrsempfang Barsinghausen – Preisträgerin der Helfenden Hand verhinderte sexuellen Übergriff
Begrüßung und politische Akzente
Nachdem Bürgermeister Henning Schünhof die Gäste persönlich begrüßt hatte, eröffnete er offiziell die Veranstaltung. Er dankte für das zahlreiche Erscheinen und ging auf das Motto „Mehr – junge – Demokratie wagen“ ein. Besonders freute er sich darüber, dass nach 18 Jahren wieder ein Jugendparlament (JuPa) zusammenkommt und noch in diesem Jahr seine Arbeit aufnehmen wird. Demokratie müsse vertrauensvoll und transparent sein. „Ich kann zur Kommunalwahl nur dazu aufrufen, wählen zu gehen. Nur so kann Demokratie funktionieren. Aber ich möchte auch motivieren, sich zur Wahl zu stellen“, sagte der Bürgermeister. Zudem dankte er dem Rat für die gute Zusammenarbeit: „Es ist – meistens – sehr erfüllend, Ideen und Projekte zu diskutieren und für die Stadt umzusetzen“, erklärte der Bürgermeister mit einem Schmunzeln.
Die Auszeichnung „Helfende Hand“
In seiner Rede zur Auszeichnung „Helfende Hand“, die bereits zum dritten Mal verliehen wurde, schilderte Ludger Westermann, Leiter der Polizei Barsinghausen, das außergewöhnlich mutige und besonnene Handeln der diesjährigen Preisträgerin, die anonym bleiben möchte. Die 66-jährige Barsinghäuserin ist selbst gesundheitlich eingeschränkt und auf einen Rollator angewiesen. Dennoch zeigte sie am 26. Juli 2025 in den frühen Abendstunden große Zivilcourage.
„Auf dem Weg zu einem Einzelhandelsgeschäft beobachtete sie einen ihr unbekannten Mann, der gemeinsam mit drei Mädchen unterwegs war. Sein Verhalten, insbesondere gegenüber dem ältesten Mädchen (11), erschien ihr von Beginn an auffällig und unangemessen. Auch auf dem Rückweg nahm sie wahr, dass der Mann das Mädchen wiederholt umarmte, zu küssen versuchte und weitere Handlungen vornahm, die später von der Polizei als sexueller Missbrauch eingestuft wurden“, schilderte Westermann den Fall.
Die Frau griff entschlossen ein, dokumentierte Teile der Situation mit ihrem Mobiltelefon und stellte den Mann deutlich zur Rede. Da unklar war, ob das Mädchen den Mann kannte, begleitete sie die Kinder nach Hause und übergab sie sicher ihren Eltern. Anschließend informierte sie die Polizei und setzte damit die strafrechtliche Aufarbeitung des Vorfalls sowie weiterer zurückliegender ähnlicher Taten in Gang. Gleichzeitig schuf sie die Grundlage dafür, den betroffenen Kindern gezielte Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen.
Westermann hob besonders hervor, dass die Preisträgerin aus ihrem Handeln keinen persönlichen Nutzen ziehen wollte. Stattdessen bat sie darum, das Preisgeld dem Kinderschutzbund zukommen zu lassen, verbunden mit ihrem eindringlichen Appell: „Tun Sie Kindern etwas Gutes.“ Westermann nutzte die Gelegenheit, um auf "Signal for Help": Stiller Hilferuf per Handzeichen hinzuweisen. "Wichtig bei Zivilcourage ist, sich selbst nicht in Gefahr zu bringen und stets die Polizei zu informieren."
Auch Bürgermeister Schünhof lobte das vorbildliche Verhalten: „Wir haben uns die Auswahl der eingereichten Vorschläge nicht leicht gemacht. Dieser Fall war aber etwas Besonderes. Auch wenn die Preisträgerin anonym bleiben möchte, wollten wir diese Leistung anerkennen.“ Von den anwesenden Gästen gab es dafür großen Applaus.
Austausch mit dem Jugendparlament
Gemeinsam mit den JuPa-Mitgliedern Maya, Nils, Luana und Angelina sowie dem ehemaligen JuPa-Mitglied Keno Kunkel, der bis 2008 dem Jugendparlament angehörte, fand bei der Veranstaltung eine Diskussionsrunde statt.
Aufgelockert wurde der Neujahrsempfang durch sportliche Showacts der TGW-Turnerinnen des TSV Kirchdorf.
Ehrung des Ehrenamts
Im Rahmen der feierlichen Veranstaltung wurden außerdem Ehrenamtskarten an engagierte Bürgerinnen und Bürger überreicht, die sich in besonderer Weise für das Gemeinwohl einsetzen. Mit der Ehrenamtskarte wird das langjährige und vielfältige freiwillige Engagement gewürdigt, das das gesellschaftliche Leben in der Region nachhaltig prägt.
Ausgezeichnet wurden Lilli Bischof für ihr Engagement bei der Kinderhilfe Ukraine e.V., Jule Röhrkaste von der Evangelischen Jugend Ronnenberg sowie Heinz Oppermann und Melanie Pihali, die sich seit vielen Jahren im Tierschutzverein Barsinghausen und Umgebung e.V. engagiert. Ebenfalls geehrt wurden Holger Juhl, Jonas Möritz und Michael Bruns, die in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist. Für sein ehrenamtliches Wirken erhielten außerdem Günther Werner vom Siedlerbund die Ehrenamtskarte. Marion Siegmeier erhielt für ihr Engagement beim DCCV e.V. eine Ehrenamtskarten. Weiter erhielten Alfred Schön und Edith Zgrzebski, Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Barsinghausen die Karte. Chiara Bierbrauer (Juleica) erhielt ebenfalls eine Ehrenamtskarte.
Die Übergabe der Ehrenamtskarten war mit einem herzlichen Dank an alle Geehrten verbunden. Ihr freiwilliges Engagement in sozialen, kirchlichen, kulturellen und sicherheitsrelevanten Bereichen sei ein unverzichtbarer Beitrag für eine lebendige und solidarische Gemeinschaft, so der Bürgermeister.

