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Kranichzug mit Verspätung

Kraniche. Quelle: Wilfried Rave.

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Region. Die Reisewelle der Kraniche ist jedes Jahr ein Naturereignis, das viele Menschen begeistert. Im Spätherbst machen sich hunderttausende Vögel auf den langen Weg in ihre Winterquartiere. Wer Kraniche sehen möchte, muss nur den Blick gen Himmel richten und lauschen: „Kraniche, die größer sind als Weißstörche, ziehen mit Geschwindigkeiten von 50 bis 70 Stundenkilometern über uns hinweg. Sie fliegen in V-Formation und sind sehr ruffreudige Vögel, weshalb sie auch an ihren klagenden, trompetenartigen Rufen zu erkennen sind“, sagt Frederik Eggers, Naturschutzreferent beim NABU Niedersachsen. „Sie fliegen in Gruppe von 100 bis 1.000 Tieren. Die kräftigen und erfahrenen Tiere führen den Trupp an der Spitze an, gefolgt von Familien mit durchschnittlich zwei Jungtieren.“

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Der Startschuss für die Kraniche fällt, sobald das Wetter umschlägt – meist zwischen Mitte Oktober und Mitte November. Doch es kommt darauf an, wo genau die Kraniche starten und wo sie hinfliegen. „Manchmal können schon ab Ende September Kraniche beobachtet werden“, so Eggers. Doch in diesem Jahr verzögerte sich die Abreise: Zuerst gab es Gegenwind aus südlicher Richtung, dann waren die Temperaturen noch zu mild. Zehntausende Vögel rasten auch in Norddeutschland, beispielsweise in der Diepholzer Moorniederung. Laut Kranichschutz Deutschland waren dort am 12. November 2023 noch über 68.000 Tiere versammelt. Eggers: „Während des Zuges nutzen Kraniche gerne große Feuchtgebiete mit störungsfreien Gewässern als Rastplätze. Auf Feldern in der Nähe stärken sie sich mit einer Zwischenmahlzeit. An solchen Rast- und Sammelstellen können riesige Kranichschwärme hervorragend beobachtet werden.“ Bei günstigen Flugbedingungen geht es sogar nonstop bis nach Südeuropa. „Kraniche ziehen bevorzugt bei Hochdruckwetter, da sie dann kraftsparend vorankommen und östliche Winde nutzen können“, so der Naturschutzreferent weiter. In Deutschland brüten rund 11.000 Kranichpaare. Etwa 400.000 Kraniche wählen alljährlich eine südwestliche Zugroute, auf der sie auch Deutschland überqueren, um den Winter in Südeuropa und Nordwest-Afrika zu verbringen. 

Jahrzehntelangen nationalen und internationalen Schutzbemühungen ist es zu verdanken, dass sich die Bestände des Kranichs in Europa erholt haben und die Art derzeit nicht als gefährdet gilt. „Die Kranichpopulation hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt – im Gegensatz zu den Beständen anderer Vogelarten. Die Renaturierung von Mooren und Flussauen sowie die Erhaltung von offenen Lebensräumen als Rastplätze helfen, dass der Kranich weiterhin gute Lebensraumbedingungen vorfindet“, betont der Naturschutzreferent. Ob sich der Kranichbestand zukünftig weiter positiv entwickelt, hängt neben den Schutzmaßnahmen im Brutgebiet aber auch von den Nahrungs- und Witterungsbedingungen auf dem Zugweg sowie in den Überwinterungsgebieten ab. „Vor allem während des Zuges sind Kollisionen mit Freileitungen, Windenergieanlagen und ähnlichen Strukturen eine Gefahr für die Vögel. Zudem können wir noch nicht sagen, wie sich der Klimawandel langfristig auf die Art auswirken wird. Insbesondere starke Trockenphasen könnten ihren Bruterfolg und somit die wachsenden Bestände negativ beeinflussen“, gibt der Biologe zu bedenken.

Das Gefieder des Kranichs ist überwiegend in einem hellen Blaugrau gefärbt. Auffällig sind die langen, schwarzzulaufenden Schirmfedern, die buschig über den Bürzel hinausragen. Kopf und Hals sind schwarz-weiß und auf dem Kopf befindet sich eine unbefiederte rote Kappe. Kraniche haben lange Beine, die im Flug über die Schwanzfedern hinausragen – so kann man sie gut von Gänsen unterscheiden. Der Mantel ist während der Brutzeit rostbraun gefärbt. Kraniche bauen ihre Nester bevorzugt umgeben von Wasser und polstern sie mit viel Pflanzenmaterial aus. Beide Elternteile kümmern sich um die Aufzucht der Jungvögel.

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