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Leserbrief: Die Bedeutung des KKW Grohnde für Barsinghausen

Frank Roth von der Ökostation Deister hat einen Leserbrief zum Betriebsendes des Kernkraftwerks in Grohnde geschrieben:

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„1. Glück gehabt – Risikoreaktor Grohnde endlich abgeschaltet! Das AKW Grohnde liegt auf Platz 2 der störanfälligsten deutschen Atomkraftwerke, nur knapp hinter dem AKW Brokdorf. Seit der Inbetriebnahme des Kraftwerks hat es dort etwa 280 meldepflichtige technische Ereignisse wie Pumpenausfall und Materialermüdungen gegeben. Dazu kommen die Risiken durch Hochwasser, Erdbeben, Terrorangriffe mit Flugzeugen und Hackerangriffe auf die Betriebssoftware. Der Notfallplan. Wenn nach einem Unfall im AKW Radioaktivität in großem Maße freigesetzt wird, müssen die Bewohner der Zentralzone Z um das AKW spätestens sechs Stunden nach dem Unfall evakuiert sein. Für die Menschen, die in der Zone M leben (Mittelzone 20km Radius um das AKW) beträgt diese Frist 24 Stunden nach dem Alarm, das gesamte Gebiet mit vielleicht hunderttausend Menschen muss evakuiert sein. Barsinghausen, mit etwa 40km Abstand vom AKW, hätte sämtliche Fahrzeuge für die schnelle Entfernung der gesamten Bevölkerung bereitstellen müssen und Panzer hätten auf dem Deisterkamm verstrahlte Flüchtlinge aus den Zonen Z und M abhalten müssen – damit sie nicht in die Stadt eindringen können. Die Absurdität dieses Plans zeigte sich anhand der Folgen von Tschernobyl – weder war die Bevölkerung dort noch waren wir Barsinghäuser vorbereitet, alles war geheim - wer hat eigentlich Jodtabletten für diesen Notfall zuhause? Information beim Grohnde-Notfall? Es ist keine Informationen der Stadtverwaltung zum Stichwort „Grohnde“ oder „Atomarer Katastrophenschutz“ erkennbar.

2. Gelddruckmaschine AKW Grohnde - heute nach 36 Jahren Laufzeit abgeschaltet – 36 Jahre Nettoverdienst eine Million Euro an jedem Betriebstag! Das waren etwa 2,7 Millionen brutto, aus denen dann die Tagesanforderungen bezahlt wurden: Über 300 MitarbeiterInnen und sicher auch Kreditbeträge usw. Man hörte auch immer wieder von überdurchschnittlichen Verdiensten der Mitarbeitenden sowie der Konzernbosse und von den Investitionen der großen Elektroplayer in andere Wirtschaftszweige - bei dem Riesenüberschuss kein Problem. Die Tränen der Atombetreiber wegen des Beschlusses zur Beendigung der Atomkraft hatte die Regierung vor Jahren bereits durch finanzielle Hilfen getrocknet.

3. Atommüll – eine Aufgabe für die nächsten 33.000 Generationen In der Bundesrepublik Deutschland hat der Gesetzgeber 1976 dem Bund die Verantwortung zur Einrichtung von Anlagen zur Endlagerung radioaktiver Abfälle auferlegt (Paragraf 9a Absatz 3 Atomgesetz, AtG). Bis heute gibt es aber kein Endlager, was die rechtliche Voraussetzung für den Bau von AKWs war. Durch die Genehmigung von Zwischenlagern für die radioaktiven Abfälle hat man sich aus dem Problem zunächst herausgewunden. Auch Grohnde hat ein solches Brennelemente- Zwischenlager, genehmigt bis 2046. Mit jedem weiteren Tag Betrieb stieg nicht nur das Risiko, sondern auch die hochradioaktive Atommüllmenge, für die es weiterhin kein genehmigtes Endlager gibt. Die Allgemeinheit bezahlte über die Steuern nicht nur die Subventionen für die Atomkraft, sondern auch die bereits ausgegebenen Milliarden z.B für Gorleben. In Zukunft stehen weiter viele Milliarden an für die Endlager Schacht Konrad und die Asse. Und bis in 15 Jahren ist das Endlager für den hochradioaktiven Müll (mind. 10.000 Tonnen) zu finden – diese Aufgabe kostet wahrscheinlich auch Milliarden. Wenn es dann endlich gefunden und beschlossen ist, beginnt die Einlagerung der Castor-Behälter und die strahlen noch sehr lange ... Auf die Nutzung des Atommülls für Atomwaffen soll hier nicht eingegangen werden, ein weiteres Thema....

4. Wohlleben Zwei Erwachsenen-Generationen haben seit den 80ern den Atomstrom genossen, haben sich offenbar keine Gedanken gemacht. AKW-Gegner waren Spinner. Barsinghausen wurde durch die HASTRA mit 80% Atomstrom aus Grohnde versorgt. Hinzu kamen noch jährlich einige Zehntausend Euro aus der Konzessionsabgabe für die Durchleitungsrechte an die Stadt (noch heute haben wir den höchsten Satz im gesamten Verteilungsgebiet der HASTRA/Avacon) und der Barsinghäuser Rat hatte dem regelmäßig mehrheitlich zugestimmt … anscheinend alternativlos, eher wohl bedenkenlos. Nur wenige Menschen in Barsinghausen haben kleinen Unterschriftensammlungen oder an den Demos in Grohnde und Brokdorf teilgenommen oder haben begonnen, sich selbst mit Sonnenstrom zu versorgen – auch wenn es zunächst persönlich finanziell nicht positiv war. Mit Erderwärmung, Artensterben und radioaktivem Müll hinterlassen die Atomkraftgenerationen gleich drei ökologische Katastrophen: Wieder sind es unsere Kinder und Enkel, die sowohl finanziell vom Erbe der Atomwirtschaft und als auch erheblich durch die globale Klimakatastrophe belastet sein werden.“

Frank Roth

Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich sinnwahrende Kürzungen vor. Nicht alle Zuschriften können veröffentlicht werden. Wer kommentieren möchte, kann das natürlich auch gern über die Kommentarfunktion der Website oder Facebook tun.

 

 

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