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Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen auch Ärzte ihren Apotheker

KRH-Ärzte lassen sich bei der Auswahl der Medikamente von Klinikapothekern beraten. Das schafft mehr Sicherheit zum Wohl der Patienten.

Region / Lifestyle.

Ein älterer Patient kommt ins Krankenhaus. Womöglich ein Notfall. Der Mann hat Schmerzen. Das soll natürlich nicht so bleiben. Doch was tun? Einfach das nächstbeste Schmerzmittel geben, wäre zu kurz gesprungen. Verträgt es sich mit womöglich zuvor eingenommenen Medikamenten? Welche sind dies überhaupt? Weil auch die besten Ärzte nicht alle Beipackzettel auswendig können, beraten sie sich im Krankenhausalltag in komplizierteren Fällen mit dem Apotheker des KRH Klinikums Region Hannover. „Gerade bei älteren Patienten haben wir es zuweilen mit 16, 17 Wirkstoffen gleichzeitig zu tun“, berichtet Thomas Vorwerk, Leiter der KRH-Zentralapotheke. „Dann ist es sehr wichtig, dass wir wirklich alle Wechselwirkungen abgeklärt haben.“

Der Apotheker empfiehlt dabei im Zweifel eine Alternative; stets jedoch in Absprache mit dem Arzt, der für die Diagnostik und Therapie verantwortlich zeichnet. „Wir müssen im Zweifel abwägen, welches Präparat mit seiner Wirkung akut im Zentrum steht.“ Gerade bei der Schmerztherapie steht Arzt und Apotheker eine ganze Bandbreite verschiedener Wirkstoffe zur Verfügung. Jedoch eignen sich nicht alle für alles. Muss es ein Opioid sein wie Morphin („Nur in Krimis heißt es Morphium“) oder ein Wirkstoff wie Ibuprofen? Gegen besondere Schmerzarten werden auch Antidepressiva oder Antiepileptika eingesetzt. „Es kommt maßgeblich darauf an, welche Ursache den Schmerz ausgelöst hat“, betont Dr. Vorwerk. Liegt eine Verletzung der Haut vor oder eine innen liegende Entzündung? Sind es Schmerzen, die durch einen Tumor verursacht werden? Oder ist es die Folge einer Gürtelrose? „Jeder einzelne Fall hat andere Ansatzpunkte“, betont Dr. Vorwerk. Das heißt, die Wirkstoffe werden auf unterschiedliche Weise appliziert, auf ihrem Weg durch den Körper von Enzymen verändert und docken an ganz eigenen Rezeptoren der Nervenzellen oder andere Zielstrukturen an. Hinzu kommt die individuelle Disposition des Patienten. „Wir müssen dabei berücksichtigen, welche Eigenschaften der eingesetzte Wirkstoff und welche körperliche Besonderheiten der Patient hat.“ Alter, Verfassung und etwaige Vorerkrankungen müssen ebenfalls berücksichtigt werden. „Im Alter verändert sich der Stoffwechsel. Entsprechend verändert sich oft auch die Intensität und Wirkdauer der Medikamente.“

Besonders schwierig wird es, wenn keine genauen Angaben über bereits eingenommene Medikamente vorliegen. „Wenn wir Glück haben, bringen Angehörige die bereits genommenen Arzneien mit“, erläutert Dr. Vorwerk. „Manchmal ist es aber auch nur ein handgeschriebener, zerknitterter Zettel.“ Der Leiter der Zentralapotheke empfiehlt deshalb, sich beim Arzt den „Bundeseinheitlichen Medikamentenplan“ ausstellen zu lassen. Darauf ist ein computerlesbarer Bar-Code verzeichnet, der im Krankenhaus in Sekundenschnelle ausgelesen werden kann. „Darauf hat jeder einen Anspruch, der regelmäßig Medikamente einnehmen muss.“

Grundsätzlich sind Schmerzmittel nur schwer mit einander vergleichbar. Unter anderem haben sie eine unterschiedliche Wirkqualität und -stärke. Ibuprofen beispielsweise ist in seiner Wirkung potenter als Paracetamol. Zudem wirken sie unterschiedlich und interagieren mit anderen Medikamenten. Hier ein Überblick die bekanntesten frei verkäuflichen Schmerzmittel.

Acetylsalicylsäure/Aspirin/ASS: Anwendung: Gut gegen Schmerzen, Entzündungen und Fieber. Erwachsene nehmen maximal dreimal täglich 500 bis 1.000 Milligramm. Besonderheiten: Asthmatische Beschwerden können durch die Einnahme von Aspirin verstärkt werden. Aspirin hemmt bereits in niedriger Dosierung die Blutgerinnung. Ist ungeeignet für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: Gefahr des sehr seltenen Reye-Syndroms (lebensbedrohlich). Ibuprofen: Anwendung: Gut gegen Schmerzen, Entzündungen und Fieber. Erwachsene nehmen maximal pro Tag 2,4 Gramm bei ärztlicher Verschreibung, in der Selbstmedikation maximal 1,2 Gramm pro Tag. Frei verkäuflich in der Apotheke sind Tabletten mit je 200 und 400 Milligramm. Höhere Dosierungen nur auf Rezept. Besonderheiten: Ibuprofen hebt die gerinnungshemmende Wirkung von Aspirin auf. Wer Aspirin niedrig dosiert dafür einnehmen muss, sollte unbedingt mindestens zwei Stunden mit der Einnahme von Ibuprofen warten. Dies ist vor allem für alle Patienten wichtig, die ASS auf ärztliche Anweisung nehmen.Paracetamol: Anwendung: Wirkt nur gegen bestimmte Schmerzen. Wir häufig bei Kopf- und Zahnschmerzen eingesetzt. Wirkungsweise bis heute nicht eindeutig geklärt. Mittel wirkt gut gegen Fieber bei Kindern und Erwachsenen, nicht aber als Schmerzmittel. Erwachsene nehmen maximal 4 Gramm pro Tag, ältere Menschen maximal 3 Gramm. Besonderheiten: Als Schmerzmittel nur bedingt geeignet. Besonders hohe Gefahr eines irreversiblen und lebensbedrohlichen Leberschadens bei Überdosierung. Medikament wird deshalb mit beschränkter Abgabenmenge verkauft.


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