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Der Tierschutz hat sich 2020 weiter positiv entwickelt

Ernst Wildhagen, 1. Vorsitzender Tierschutzverein Barsinghausen.

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Barsinghausen.

„Mein 15. Jahr als 1. Vorsitzender des Tierschutzverein Barsinghausen war - auch wenn es erstaunlich klingt - ein ĂŒberwiegend positives Jahr“, erklĂ€rt Ernst Wildhagen.

Der Mitgliederbestand konnte auf ĂŒber 430 ausgebaut werden und die finanzielle Basis ist solide. Die Mitarbeiter, Bundesfreiwilligen und ehrenamtlichen Helfer haben hervorragend gearbeitet und zum GlĂŒck gab es keine coronabedingten AusfĂ€lle. Der Vorstand arbeitet seit Jahren harmonisch und effektiv zusammen. Das Tierheim befindet sich in einem guten Zustand und soll 2021 durch eine QuarantĂ€nestation erweitert werden.

Doch dem 1. Vorsitzenden Ernst Wildhagen liegen noch einige Themen auf der Seele:

„Aber die Tatsache, dass wir wieder ĂŒber 300 Tiere aufnehmen mussten, die von ihrem Besitzer einfach ausgesetzt wurden, die abgegeben wurden, weil man "kein Interesse" mehr daran hat, oder weil sie "zu teuer" werden, die nicht mit ins Altenheim dĂŒrfen oder bei einer Scheidung keiner haben will, zeigt, dass noch viel zu tun ist, um den Tieren die WertschĂ€tzung entgegen zu bringen, die sie verdienen. 2011 hatte bei der Einweihung des neuen BĂŒrohauses der damalige BĂŒrgermeister Walter Zieseniß gesagt, es wĂ€re doch schön, wenn man ĂŒberhaupt keine Tierheim mehr brĂ€uchte, und damit hatte er absolut recht!

Im Corona-Jahr hatten wir außergewöhnliche viele Anfragen nach Katzen, Kleintieren und Hunden. Die Menschen verbringen mehr Zeit zuhause und wollen sich oder ihren Kindern mit einem Haustier eine Freude machen oder etwas gegen die Einsamkeit tun. Wir warnen aber immer davor und weisen darauf hin, dass es auch eine Zeit nach Corona gibt und die Entscheidung fĂŒr ein Tier eine langfristige Entscheidung fĂŒr die ganze Familie ist.

Wir erfahren bei unserer Tierschutzarbeit viel Lob und Anerkennung fĂŒr unseren Einsatz. Es beeindruckt Politik und Gesellschaft, dass wir 7 Tage in der Woche 24 Stunden fĂŒr die Tiere da sind, und nicht nur Hunde, Katzen und Kleintiere vermitteln, sondern auch verletzte Wildtiere einfangen und zur Wildtierstation bringen, nachts entlaufenen Hunden hinterherlaufen und aus Wohnungen Verstorbener die verĂ€ngstigte Katze unter dem Sofa hervorlocken. Besonders gute Nerven braucht man, wenn man zu FĂ€llen mit tierquĂ€lerischer Haltung oder Animal-Hoarding-FĂ€llen (z.B. 80 Kaninchen in einer Wohnung) gerufen wird. Wesentlich dĂŒrftiger wird es mit der UnterstĂŒtzung durch Politik und Verwaltung, wenn es um finanzielle UnterstĂŒtzung geht. Man darf dabei nicht vergessen, dass die Tierschutzarbeit kein freiwilliges "Hobby" ist, sondern es fast immer um Leistungen geht, fĂŒr die eigentlich der Staat zustĂ€ndig ist (Fundtiere, ausgesetzte Tiere, u.s.w.). Es mĂŒsste eigentlich eine SelbstverstĂ€ndlichkeit sein, dass diese Dienstleistung angemessen vergĂŒtet wird, aber leider bleibt es oft beim "Klatschen" und es wird alles versucht, um Kosten zu sparen (siehe Negativbeispiel Gemeinde Wennigsen, wo sogar Tiere durch Gemeindemitarbeiter einfach ausgesetzt werden).

Ganz schlimm sieht es nach wie vor fĂŒr die "Nutz-"Tiere in der Landwirtschaft aus. Wenn die Tiere schon fĂŒr uns sterben mĂŒssen, muss man sie doch nicht vorher auch noch quĂ€len. FĂŒr Menschen gibt es einen Wirtschaftsminister, der die Interessen der Wirtschaft vertritt und einen Arbeitsminister, der sich um die Menschen in diesem System kĂŒmmert. Bei Tieren gibt es eine Landwirtschaftsministerin, die beide Aspekte berĂŒcksichtigen soll und damit nur scheitern kann. Frau Klöckner unterhĂ€lt sich eben lieber mit der Großindustrie, als mit dem kleinen Bauern um die Ecke oder gar mit TierschutzverbĂ€nden. Der Bauer will bestimmt nicht seine Tiere quĂ€len, Bienen töten oder das Grundwasser verseuchen, aber er ist durch das System dazu gezwungen. Der aktuelle Protest gegen das unverantwortliche Preisdiktat der Supermarktketten ist ein erster richtiger Schritt der Bauern. Herr Heil hat sich jetzt um die menschenverachtenden Bedingungen der Mitarbeiter in der Fleischindustrie gekĂŒmmert und es ist höchste Zeit, dass Frau Klöckner das gleiche fĂŒr die Tiere tut. Das Argument, man mĂŒsse diese TierquĂ€lerei in Deutschland zulassen, weil sonst die Produktion in andere LĂ€nder verlagert wird, ist zynisch und nicht akzeptabel. Stellen Sie sich vor, es gĂ€be in Deutschland noch Kinderarbeit und in einem GeschĂ€ft gĂ€be es teure Teppiche, die von Erwachsenen geknĂŒpft werden und billige, die von den Kindern gemacht wurden. Und der Arbeitsminister wĂŒrde sagen, der Verbraucher hat die Macht und könne die Kinderarbeit dadurch verhindern, dass er nur die teuren Teppiche kauft. Ein absurdes Argument, dass aber genau so beim Umgang mit Tieren vorgebracht wird.

Es gibt noch viele weitere Felder (z. B. Tiere im Zirkus, Jagd, Angeln, Qualzuchttiere, Versuchstiere, Exoten, u.s.w.) in denen der Deutsche Tierschutzbund, andere Tierschutzorganisationen und - nicht zuletzt - viele engagierte BĂŒrger kĂ€mpfen, um den Tierschutz weiter zu verbessern.

Und vergessen wir nicht, dass die Natur zurĂŒckschlĂ€gt und Tierschutz gleichzeitig Klimaschutz und Umweltschutz ist. Corona ist, wie viele andere Virusinfektionen und Krankheiten (z. B. Vogelgrippe, Sars, oder wer erinnert sich noch an Creutzfeld-Jakob durch Rindfleisch) durch Zoonosen (also Übertragung vom Tier auf den Menschen) entstanden sind. Es schĂŒtzt also auch uns als Menschen, wenn wir weniger (möglichst gar kein) Fleisch essen und nicht immer weiter in den Lebensraum der Tiere eindringen und die Umwelt zerstören.

Das Jahr 2021 beginnt schon mal gut, denn ab dem 1. Januar 2021 hat das betÀubungslose Kastrieren der Ferkel ein Ende und es gibt weitere Lichtblicke, insbesondere bei der jungen Generation. Ein Vegetarier wird nicht mehr mit einem Tierarzt verwechselt und ein Veganer nicht mit einem alten Soldaten (Witz!).

Fast 100 mehr oder weniger aktive Helfer (vom GassigĂ€nger bis zum Kassenwart) haben im Jahr 2020 ca. 25.000 Stunden ehrenamtlich gearbeitet und ich möchte mich an dieser Stelle bei allen ganz herzlich im Namen der Tiere bedanken und wĂŒnsche allen Gesundheit fĂŒr 2021, damit wir uns auch im nĂ€chsten Jahr gemeinsam fĂŒr die Tier einsetzen können.“


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